V-1 Zeitumstellung zügig abschaffen

Wir von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern die möglichst zeitnahe Umsetzung der Initiative des Europäischen Parlaments zur Abschaffung der Zeitumstellungen. In naher Zukunft soll innerhalb eines Mitgliedstaats der Europäischen Union ganzjährig eine von maximal vier möglichen Zeitzonen gelten. Zu der Frage, zu welcher Zeitzone ein Staatsgebiet gehören soll, sollen EU-Bürgerinnen und -Bürger im Rahmen einer Volksbefragung ein Mitspracherecht haben. Im Sinne eines unkomplizierten Binnenmarktes muss jedoch gewährleistet sein, dass große zusammenhängende Gebiete einer Zeitzone angehören und dass bei Grenzübertritten von einem östlicheren in ein westlicheres EU-Land die Uhr nicht umgestellt oder um eine Stunde zurückgestellt wird.

Begründung: In Lissabon (Portugal) geht die Sonne zwei Stunden und zehn Minuten später auf als in Sofia (Bulgarien). Im Gebiet der EU gelten daher heute drei unterschiedliche Zeitzonen. Mitteleuropa hat seit 1893 eine eigene Zeitzone mit der Mitteleuropäischen Zeit (Weltzeit plus eine Stunde). Nach mitteleuropäischer Zeit (MEZ) gilt am 21. Dezember: Sonnenaufgang in Berlin: 8.15 Uhr und Sonnenuntergang in Berlin: 15.53 Uhr Sonnenaufgang in Madrid: 8.35 Uhr und Sonnenuntergang in Madrid: 17.50 Uhr … und am 21. Juni: Sonnenaufgang in Berlin: 3.44 Uhr und Sonnenuntergang in Berlin: 20.31 Uhr Sonnenaufgang in Madrid: 5.45 Uhr und Sonnenuntergang in Madrid: 20.47 Uhr Für Menschen, die um 7 Uhr MEZ aufstehen, dauert es im Winter noch eine gute Stunde bis zur Dämmerung, im Sommer ist es um 7 Uhr bereits seit mehreren Stunden hell. Endet im Sommer die Arbeitszeit um 17 Uhr, kann man das Sonnenlicht noch gut drei Stunden freizeitlich nutzen. Um diese Zeit vor Sonnenuntergang um eine Stunde zu verlängern, wurde in der Bundesrepublik Deutschland am 6. April 1980 die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) eingeführt. Seit 1996 werden die Uhren im gesamten Gebiet der EU einheitlich zweimal im Jahr umgestellt. Dabei wird nicht gefragt, ob die Menschen Helligkeit spät am Abend oder früh am Morgen schätzen. Diese Frage wird auch höchst individuell beantwortet und wir bringen jeder „Lebensphilosophie“ Verständnis entgegen.   Gründe für die Abschaffung der Zeitumstellungen Einige Fakten sprechen jedoch gegen die Zeitumstellungen: Diese laufen dem Biorhythmus zuwider, was sich nicht nur bei Kleinkindern bemerkbar macht, und erfolgen auf dem Rücken von Menschen, die dadurch gesundheitlich beeinträchtigt werden. So steigt einer Langzeitstudie zufolge die Zahl der Herzinfarkte nach der Umstellung auf Sommerzeit um 25 %, die Zahl der Krankmeldungen um 15 %. Viele sprechen von einem „Mini-Jetlag“. Die erhoffte Einsparung von Energie hat sich unter dem Strich nicht eingestellt. Für die Wirtschaft – insbesondere im Logistik- und Energiesektor – und Landwirtschaft (Nutztierhaltung) ist die Zeitumstellung mit erheblichen Kosten verbunden. Mittlerweile sprechen sich in Deutschland knapp drei Viertel der Bevölkerung gegen die Umstellung der Zeit aus. Sie fühlen sich durch die Zeitumstellungen gegängelt. Die Abschaffung der Umstellung wäre gleichbedeutend mit dem Abbau einer technokratischen Bürokratie, die gegenwärtig unmittelbar in die selbst bestimmte Gestaltung des Alltags eingreift. Eine Problemlösung, unterschiedliche Lebensgewohnheiten mit einer ganzjährig gültigen Zeitzone in Einklang zu bringen, versprechen wir uns von einer zunehmend individuellen Gestaltung des Tagesablaufes. Das kann nur über eine Liberalisierung der Arbeitszeiten in möglichst vielen Bereichen erfolgen, so dass ArbeitnehmerInnen selber darüber entscheiden können, ob sie drei oder vier Stunden vor Sonnenuntergang Feierabend machen. Das Europäische Parlament hat im Februar 2018 mit deutlicher Mehrheit die Kommission beauftragt, Vor- und Nachteile der Zeitumstellung unter die Lupe zu nehmen, und die Richtlinie, die die Zeitumstellung regelt, gegebenenfalls auslaufen zu lassen. Uns geht das nicht schnell genug. Wir fordern, den Ausstieg aus der Zeitumstellung unverzüglich anzugehen und bei der Einteilung der künftigen Zeitzonen sowohl Erwägungen zum reibungslosen EU-Binnenmarkt als auch die Meinung der Bürgerinnen und Bürger heranzuziehen. Letzteres dient auch dem Ziel einer bürgernäheren EU.
Antragsteller*innen: Matthias Klemm, Silke Falch, Ralf Lattner, Inka Bofinger, Heidrun Funke, Matthias Heidenreich, Arno Kleiß, Christian Knapp, Hans-Günther Moser, Thomas Nünninghoff, Isolde Riede, Hans Steitz, Franziska Swertz, Sabine Witzigmann (alle KV Bodenseekreis), Judith Gebhardt (KV Ravensburg)

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